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Gespräch N° 22 | Kapital

Eveline Steinberger-Kern

„Um Macht geht es mir am wenigsten”

Hält sich Eveline Steinberger-Kern für eine Powerfrau? Sind Frauen die besseren Führungspersonen? Gehen Frauen mit Macht besser um, als Männer? Diese und weitere Fragen beantwortet die Frau des Bundeskanzlers im Gespräch mit Muamer Becirovic.
Lesezeit: 12 Minuten
Das Gespräch führte Muamer Becirovic und erschien am 13.08.2016, fotografiert hat Jeff Mangione.
Muamer Becirovic
Frau Steinberger-Kern, was verstehen Sie eigentlich unter dem Begriff „Powerfrau“?

Eveline Steinberger-Kern
Powerfrau … Das klingt so überhöhend. Ich persönlich halte nicht viel von dem Begriff. Es gibt Frauen, die Herausforderungen mutig angehen und Probleme aktiv lösen wollen. Den Beisatz „Power“ braucht es aber nicht.

Muamer Becirovic
Wir befinden uns im Jahr 2016. Wie kann es sein, dass der Frauenanteil in Führungspositionen nach wie vor zu wünschen übrig lässt?

Eveline Steinberger-Kern
Nun, die Benachteiligung der Frau macht sich nicht erst im Berufsleben bemerkbar. Im Gegenteil: Das beginnt schon im Kleinkindalter. Da werden mitunter Vorurteile bedient, die sich schon sehr früh in die Köpfe unserer Kinder bohren und sich dementsprechend in der Arbeitswelt entfalten. Sieht man sich beispielsweise die hiesigen Start-Up-Neugründungen an, dann fällt schnell auf, dass der Männeranteil hier unglaublich groß ist. Das hängt damit zusammen, dass Männer schon im Kindesalter dazu erzogen werden, mutig zu sein und mehr Risiko einzugehen. Das sind veraltete Rollenbilder, die zum Teil leider noch immer fest im Bewusstsein der Gesellschaft verankert sind. Österreich steht hier natürlich nicht alleine, aber viele Ökonomien zeigen, dass es auch anders geht: Osteuropa zum Beispiel ist, was Frauen in Führungspositionen angeht, wesentlich weiter.

Muamer Becirovic
Kann man dem entgegensteuern?

Eveline Steinberger-Kern
Ich bin mittlerweile der Meinung, dass dieses Problem nicht ohne politisches Zutun – wie etwa einer Quotenregelung oder einer verordneten Intensivierung weiblicher Führungskräfte – gemeistert werden kann. Man muss auch bei der gesellschaftlichen Gleichstellung ansetzen. Denn wenn es hier völlige Gleichstellung geben würde, bräuchten wir keine Regulierungen.

Muamer Becirovic
Wie haben Sie es geschafft, dem Durchschnitt zu entkommen und sich einen Platz in den oberen „zwölf Prozent“ zu sichern? Sie waren beim Verbund, bei Siemens und sind nun selbstständig. Sie haben eine große Karriere hinter sich – und vor Ihnen, wohlgemerkt. Was haben Sie anders gemacht?

Eveline Steinberger-Kern
Das wurde ich schon oft gefragt. Ich denke mittlerweile, dass es vor allem an der familiären Erziehung lag, die ich genießen durfte. Ich komme aus einer Großfamilie und hatte drei Geschwister – meine Eltern haben uns sehr früh zur Eigenverantwortung erzogen. Es war Ihnen sehr wichtig, dass wir Gelerntes stets kritisch hinterfragen und nicht alles als vorgegeben zu betrachten. Das hat mich stark geprägt – ich habe gelernt, über den Tellerrand hinauszuschauen und auch ein bisschen mutiger zu sein. Natürlich fiel ich auch das ein oder andere Mal auf die Nase – das trieb mich aber nur an, weiterzudenken und eine neue Lösung für das Problem zu suchen. Und im Allgemeinen hat es mir einfach immer gefallen, Führungsverantwortung für Mitarbeiter zu übernehmen oder internationale Verträge zu verhandeln. Das heißt jetzt nicht, dass mein Weg das Vorbildmodell für alle Frauen sein soll. Jede Frau muss für sich selbst abwägen, ob Sie Kinder will, wer sich um diese kümmert und was das für die berufliche Karriere bedeutet. Wir haben heute beispielsweise auch gute Rahmenbedingungen für eine Väterkarenz, was sehr positiv hervorzuheben ist. Für mich war jedenfalls klar: Ich möchte trotz Kind wieder arbeiten gehen. Das bedeutete natürlich einen Riesenspagat, eine große Herausforderung.

Muamer Becirovic
Der verstorbene deutsche Vizekanzler Guido Westerwelle hat einmal über Frauen in Führungspositionen gesagt, dass die Führungstechniken der Frau genauso hart sein können wie die der Männer. Stimmt das?

Eveline Steinberger-Kern
So wie es bei Männern kooperative und autoritäre Führungsstile gibt, so gibt es die auch in der Frauenwelt. Ich bin hier ganz klar gegen Verallgemeinerungen. Wichtig ist jedenfalls, dass man authentisch bleibt. Ich beispielsweise habe keinen besonders autoritären Führungsstil. Ich koche auch ab und zu Kaffee für meine Gäste, wenn ich nicht gerade interviewt werde! (lacht) Nein, ein autoritärer Führungsstil wäre auch in meiner Branche gar nicht möglich: Ich arbeite für ein Start-Up. Wir beschäftigen uns mit dem Gründen und Unterstützen junger Unternehmen. Und dabei lege ich vor allem darauf Wert, Menschen einzustellen, die sehr stark spezialisiert sind und in ihrem Bereich vertiefte, starke Kenntnisse haben. Menschen, die „Da geht’s lang!“ rufen. Dabei zerfließen auch Hierarchien, man arbeitet sehr intim und profitiert von der Diversität. Ich bin also mehr Kapitän als Führungskraft. Und das habe ich auch in meinen Managementpositionen nicht anders gesehen.

Muamer Becirovic
Nun, ein Kapitän ist doch letzten Endes auch eine Führungskraft. Es gibt auf jedem Schiff, das dampft und segelt, einen, der die Sachen regelt.

Eveline Steinberger-Kern
Natürlich muss eine Führungskraft vorangehen – klar. Aber das muss nicht mit einem autoritären Führungsstil einhergehen. Letztlich geht es doch darum, mit dem Team in Interaktion zu bleiben. Meine Erfahrung ist, dass es ohne autoritären Führungsstil auch geht und dass man wahnsinnig davon profitiert, wenn man darauf verzichten kann.

Eveline Steinberger-Kern

© Jeff Mangione

Muamer Becirovic
Was ist denn der Unterschied zwischen der Machtausübung einer Frau und der Machtausübung eines Mannes?

Eveline Steinberger-Kern
(sehr bestimmt) Den gibt es nicht. Dieses Stereotyp möchte ich gar nicht bedienen.

Muamer Becirovic
Würden Sie wirklich sagen, dass es da keinen Unterschied gibt?

Eveline Steinberger-Kern
Nein, den gibt es nicht. Ich habe vieles gesehen, auf beiden Geschlechterseiten.

Muamer Becirovic
Man sagt zum Beispiel über Frau Merkel, dass sie Männer recht gut im Griff hat, weil sie weiß, wie sie ticken. Ist Menschenkenntnis eine eher weibliche Eigenschaft?

Eveline Steinberger-Kern
Ich glaube eher, dass sie Empathie meinen – doch auch die ist keine weibliche Eigenschaft. Ich kenne sehr viele empathische Männer. Es ist natürlich immer von Vorteil, wenn man sich auf sein Gegenüber einzustellen weiß – vor allem in Verhandlungen. (lacht) Zuhören ist meistens eine gute Eigenschaft. Zuerst zuhören, und dann reden.

Muamer Becirovic
Haben Männer ein größeres Ego als Frauen?

Eveline Steinberger-Kern
Auch das würde ich nicht unterschreiben.

Muamer Becirovic
Wirklich nicht?

Eveline Steinberger-Kern
Nein. (pausiert kurz) Sie werden in beiden Geschlechtern beides finden.

Muamer Becirovic
Haben Männer Angst oder zu großen Respekt vor starken Frauen? Wenn man das Beispiel Margaret Thatcher heranzieht …

Eveline Steinberger-Kern
… Ich glaube, dass Angst überhaupt keine lobenswerte Eigenschaft in diesem Kontext sein sollte. Das stelle ich mir eher schrecklich vor. (amüsiert) Und nein, ein angsterregender Charakter ist auch nicht geschlechtsbedingt.

Muamer Becirovic
(verzweifelt) Es fällt mir wirklich schwer, jetzt zu antworten, weil mein Weltbild gerade in seinen Grundfesten zusammenfällt …

Fotograf
Wieso?

Muamer Becirovic
Weil ich diese Antwort nicht erwartet habe. Ich habe damit gerechnet, dass Sie mir Unterschiede in weiblichen und männlichen Führungsstilen nennen. (lacht) Jedenfalls habe ich trotzdem eine Beobachtung gemacht, die ich Ihnen nicht vorenthalten will: Oft, wenn ein größeres Unternehmen in einer Krise gefangen war, hat eine Frau das Ruder in die Hand genommen.

Eveline Steinberger-Kern
Da müssten wir jetzt empirisch forschen, weil mir dazu keine Studie bekannt ist. Ist das so?

Muamer Becirovic
Bei IBM war das beispielsweise der Fall. In der Politik finden sich auch zahlreiche Beispiele für dieses Phänomen.

Eveline Steinberger-Kern
(amüsiert) Gegenfrage: Warum haben wir dann so wenige Frauen in Führungsetagen?

Muamer Becirovic
Warten Sie, ich habe eine Studie gefunden, die einen tatsächlichen Unterschied vermuten lässt: Wenn einige Frauen im Fußballstadion sind, dann ist das Gemüt allgemein ruhiger, als wenn nur Männer anwesend sind. Können Sie sich das erklären?

Eveline Steinberger-Kern
Ich bin gerne und immer wieder am Fußballplatz, und auch das hätte ich so noch nicht festgestellt. Und wenn Sie tatsächlich von dieser Studie überzeugt sind, dann haben Sie mich wohl noch nie schreien gehört, wenn ein Tor an Österreich ging. (lacht) Vielleicht gibt es auch einfach weniger weibliche Hooligans, das kann doch sein, oder?

Muamer Becirovic
Das klingt logisch. Aber würden Sie nicht sagen, dass Frauen – wenn sie mit im Stadion sind – eine eher beruhigende Wirkung auf Ihre Männer haben …

Eveline Steinberger-Kern
Nein, das würde ich auch nicht sagen.

Muamer Becirovic
(lacht) Sagen wir es so: Eine Beruhigung der Gemüter.

Eveline Steinberger-Kern
(äußerst amüsiert) Das macht ja richtig Spaß mit Ihnen. Worauf wollen Sie hinaus?

Fotograf
Das hier ist eben ein richtiges Gespräch, kein Interview.

Muamer Becirovic
(verzweifelt) Sie machen es mir nicht einfach. Sind Männer hitzköpfiger als Frauen?

Eveline Steinberger-Kern
Ich kann keine dieser Vorurteile bestätigen.

(alle lachen)

Eveline Steinberger-Kern

© Jeff Mangione

Muamer Becirovic
Würden Sie so weit gehen und behaupten, dass es zwischen Mann und Frau – bis auf rein biologische Fakten – keine Unterschiede gibt?

Eveline Steinberger-Kern
Klar – anatomisch. Aber das hat keine Auswirkung auf Verhalten oder Führungsstil. Ich meine, dass Frauen beim Marathon nicht so gut abschneiden wie Männer, darüber sprechen wir hier schließlich nicht.

Muamer Becirovic
Ihr Vater war Facharbeiter der ÖBB, Ihre Mutter Hausfrau …

Eveline Steinberger-Kern
Meine Mutter war Landwirtin. Sie hat auch gearbeitet.

Muamer Becirovic
Okay, es stand – nachrecherchiert …

Eveline Steinberger-Kern
Völlig falsch. (lacht)

Muamer Becirovic
Gut, dann streichen wir das. Bei Persönlichkeiten wie Ihnen – Menschen, die einfach von einer anderen Etage kommen – interessiert mich vor allem eine Sache: Was treibt Sie an?

Eveline Steinberger-Kern
Was mich im Job antreibt? Nun, ich sehe es als meine Aufgabe, Herausforderungen anzunehmen und mit ihnen zu wachsen. Ich mache einfach gerne, was ich mache. Das ist es, was mich antreibt.

Muamer Becirovic
Welche Motive haben Menschen, um an die soziale Spitze der Gesellschaft zu gelangen? Geld? Macht? Prestige?

Eveline Steinberger-Kern
Um all diese drei Faktoren geht es mir persönlich am Wenigsten. Dass man Geld im Leben braucht, ist klar. Aber mir geht es vielmehr um die Sinnstiftung. Wäre mein primäres Motiv das Geld, dann würde ich mich beruflich wohl kaum mit Energieeffizienz und CO2- Reduktion beschäftigen. Das sind schließlich nicht die einfachsten Themen. Trotzdem habe ich Glück gehabt, in dieser Branche zu landen, und habe heute sogar viel Spaß in meinem Job. Das ist schon ein klein wenig Luxus.

Muamer Becirovic
Zum Umweltthema: Man sagt ja, dass der Energiebedarf immer weiter steigen wird, aber dass man mit der Energieproduktionsnachlieferung schwer nachkommt. Wie lange läuft das System noch, bis uns alle Ressourcen ausgehen?

Eveline Steinberger-Kern
Sie sprechen das zentrale Thema an, das uns derzeit alle antreibt: Energieeffizienz, Energieeffizienz, Energieeffizienz. Bei allen Anstrengungen in Richtung CO2-freie Gesellschaft: Das Thema wird nicht zu stemmen sein, indem wir die fossilen Energiequellen durch erneuerbare ersetzen. Nein, es liegt vielmehr daran, ob wir fähig sind, effizient mit der gegebenen Energie um zu gehen. Die Technologien dazu wären jedenfalls da. Trotzdem sehe ich einen weiten Weg vor uns.

Muamer Becirovic
Denken Sie, dass wir es schaffen?

Eveline Steinberger-Kern
Bestimmt.

Muamer Becirovic
Was stimmt Sie so positiv?

Eveline Steinberger-Kern
Wir haben schon so viele Katastrophen überstanden. Als ich noch in die Schule ging, waren die großen Themen gerade FCKW (Anm.: Fluorkohlenwasserstoffe) und Waldsterben. Themen, die wir heute gelöst haben. Der voranschreitende Klimawandel ist zwar ein paar Schuhnummern größer, aber ich denke, es geht mit den Gegenmaßnahmen in die richtige Richtung. Wenn man an die letzte Klimaschutzkonferenz in Paris denkt, stellt man fest, dass wir noch nie weiter waren als jetzt. Sicherlich ist noch viel zu tun – der Grundstein ist aber gelegt.

Muamer Becirovic
Sprechen wir doch noch ein wenig über Start-Ups, die haben Sie doch vorhin schließlich angesprochen. Ist es nicht so, dass ein Start-Up – sobald es eine gewisse Größe erreicht – schnell mal wieder aus dem Wirtschaftsstandort Österreich „flieht“?

Eveline Steinberger-Kern
Das sehe ich nicht so negativ. Die Start-Up-Szene in Österreich ist ja – verhältnismäßig – noch recht klein, und ja, viele gehen in die USA, sobald sie groß sind. Dennoch hat sich auf privatwirtschaftlicher und politischer Ebene in den vergangenen zwei, drei Jahren so viel bewegt, dass Start-Up-Gründungen in Österreich immer attraktiver werden, vor allem dann, wenn Branchenkenntnis im Land ist.

Eveline Steinberger-Kern

© Jeff Mangione

Muamer Becirovic
Sind hohe Steuerbelastung und Abgabenquote nicht eher negative Anreize?

Eveline Steinberger-Kern
Nein, keinesfalls. Wenn wir in Österreich intelligente Standortpolitik betreiben, zieht niemand weg. Schließlich gibt es zahlreiche Weltkonzerne, die von Österreich aus ihr Geschäft machen. Wir haben Weltmarktführer in vielen Bereichen. Wir haben Hidden- Champions, über die wir gar nicht sprechen. Unternehmen, die in ihren Nischen unter den Top Drei der Welt liegen. Wenn man mit denen spricht, dann hört man nie Sätze wie „Wir würden gerne hier weg, weil uns die Steuern zu hoch sind!“

Muamer Becirovic
Würden Sie sagen, dass viele Unternehmer einfach aus Prinzip in Österreich bleiben? Oder etwa aus Heimatverbundenheit? Viele Gründe sprächen doch tatsächlich dafür, einfach abzuwandern …

Eveline Steinberger-Kern
Man darf hier nicht verallgemeinern. Didi Mateschitz, der Gründer von RedBull, ist jemand, der bewusst wieder nach Österreich zurückgekommen ist und sein Geschäft Großteils von hier aus betreibt. Auch Runtastic, die Sport-App, sitzt in Österreich, obwohl sie von Adidas gekauft wurde. Trotzdem stellen hier ihre Mitarbeiter ein, die wiederum hier ihre Lohnabgaben leisten und hier ihre Steuern bezahlen. Der Standort Österreich ist also alles andere als unattraktiv. Allerdings darf man bei aller Euphorie die Konkurrenz nicht vergessen, die bekanntermaßen nie schläft. Berlin hat einen Kreativhub. London hat sehr viel Banken- und Finanz-Knowhow. Aber Österreich hat immerhin eine starke Industriekompetenz, oder etwa starkes Knowhow in der Bioökonomie, was etwa das Thema Lifescience betrifft. Im Umweltbereich sind wir traditionellerweise auch echt stark. Außerdem ist Österreich eine wichtige Schnittstelle für Osteuropa, da wir dorthin schon immer sehr gute Beziehungen und ein sehr profundes Netzwerk hatten. Ich beschäftige mich momentan auch sehr intensiv damit, Projekte und Gründer aus Osteuropa nach Österreich zu bringen, um gemeinsam die Start-Up-Szene anzukurbeln.

Muamer Becirovic
Und, wie läuft‘s?

Eveline Steinberger-Kern
Immer besser.

Muamer Becirovic
Aber jetzt mal ehrlich: Können wir, ein Acht-Millionen-Einwohner-Land, jemals auch nur im Geringsten mit dem 350-Millionen-Riesen USA und seinen Schiffen Google und Apple mithalten können?

Eveline Steinberger-Kern
Ich möchte das jetzt nicht relativieren, aber waren Sie schon einmal im Silicon Valley?

Muamer Becirovic
Nein.

Eveline Steinberger-Kern
Das ist eine – flächenmäßig – winzige Region, auf der sich all das abspielt, was wir hier als Google und Apple wahrnehmen. In Palo Alto, das quasi im Zentrum von Silicon Valley liegt, haben sehr viele große Firmen ihren Sitz. Eine Gegend, die wir Wiener gemeinhin als „Dorf“ bezeichnen würden. Dort werden um halb neun die Gehsteige hochgeklappt, weil es keine Ausgehszene gibt. Es gibt einfach keinen Bedarf.

Fotograf
Weil niemand nach Hause fahren muss. Der Silicon Valley ist kein Ort, an dem man wohnt. Und die Unternehmen profitieren davon. Unser Sozialsystem beispielsweise ist total übersättigt mit Menschen, die schon seit dreißig Jahren im selben Unternehmen sitzen und von alten Kollektivverträgen zehren. Dort existiert ein solches Sozialsystem schlichtweg nicht. Man gibt jedem eine Chance, seine Passion, seine Leidenschaft, sein Talent in vollen Zügen auszuleben. Dafür gibt es keine Sicherheit – du fliegst, aber nur für eine Stunde. Dann räumst du deinen Tisch und gehst.

Eveline Steinberger-Kern
Ja, in Palo Alto leben nur ganz wenige, ältere Generationen. Das scheint so ein Lebensabschnittsort zu sein, wo man hingeht, wenn man gerade mitten im Berufsleben steht. Als Gründer, als Wissenschaftler oder Investor. Natürlich bezahlen diese Topkonzerne ihren Mitarbeitern auch unheimlich viel Geld. Und ja, hier werden auch Österreicher abgeworben, beispielsweise von der TU Graz. Da gibt es den ein oder anderen Abgänger, der dann direkt bei Google oder Facebook einsteigt und sein Wissen und Können einbringt, um wichtige Zukunftsthemen anzugehen. Aber dazu muss man nicht in die USA schauen: Fachkompetenzen in den Bereichen IT, Automobilität, Umwelttechnologie und Lifescience lassen sich auch hier bestens entfalten.

Muamer Becirovic
Ja, nur geht es dort drüben wahrscheinlich spannender zu. Die USA ist einfach zu dominant, oder etwa nicht?

Eveline Steinberger-Kern
Wir haben natürlich nicht in allen Branchen jede Kompetenz. Aber unmöglich ist nichts. Vor allem, was die Zukunft betrifft.

Muamer Becirovic
Da stimme ich Ihnen zu.

Eveline Steinberger-Kern
(lacht) Fein, dann sind wir doch noch einmal einer Meinung.

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